Das Mahnmal zum Gedenken der Opfer des Holocausts in Passau am Ufer des Inns. Dabei steht eine Gruppe Gedenkender mit Regenschirmen. Im Hintergrund ist der Inn und die Gebäude der Innstadt bei grauem Herbstwetter zu sehen.

Antifaschistisches Gedenken zur Reichspogromnacht am Mahnmal Passau

Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)

Wir OMAS GEGEN RECHTS sind uns der Wichtigkeit der Erinnerungs- und Gedenkkultur sehr bewusst. Deshalb nahmen wir am 9. November 2025, der „Reichspogromnacht“, an mehreren Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Novemberpogrome aktiv teil und zeigten Präsenz gegen aktuelle rechtsradikale und faschistische Tendenzen. Dieser Tag ist von großer Bedeutung für die deutsche Geschichte, denn…

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Dieses Ereignis markierte den entscheidenden und brutalen Wendepunkt in der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland und gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Holocaust. 

Der Gedenktag begann schon am späten Vormittag mit einer kleinen Zeremonie an den Stolpersteinen der Familie Pick in der Ludwigsstraße, die der Stadtjugendring gemeinsam mit dem Bund der katholischen Jugend, der Evangelischen Jugend und dem Gymnasium Leopoldinum veranstaltete. Mit Rosen, die niedergelegt wurden, und einer musikalisch umrahmten Schweigeminute setzen die jungen Leute ein eindrucksvolles Zeichen gegen das Vergessen.

Die Stolpersteine in Passau zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am Nachmittag nahmen wir, als Gruppe erkennbar mit unseren OMA- Buttons, am offiziellen Gedenken der Stadt Passau teil, zu dem Oberbürgermeister Jürgen Dupper die Stadträte, Kirchenvertreter und die Passauer Bevölkerung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus an der Innpromenade eingeladen hatte. Unser gemeinsamer Auftritt war auch gedacht als stummer, aber sichtbarer Protest gegen die ebenfalls geladenen AfD- Stadträte.

Als Zeichen der Erinnerung und als Appell, die Erinnerung wach zu halten, legten wir nach jüdischer Tradition Steine für die verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden am Mahnmal ab.

Lichter und Steine am Mahnmal zum Gedenken an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung

Am Abend des 9. November gestalteten die OMAS GEGEN RECHTS Passau eine emotional sehr dichte und eindrucksvolle antifaschistische Gedenkfeier mit einem Redebeitrag aktiv mit, den junge Studierenden initiiert und organisiert hatten. Vielen Dank an Fred für deinen Einsatz!

Andrea und Thomas von den „Omas“ erinnerten in einem Beitrag an Otto Jehoschua Schwert, ehemaliger Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Regensburg und Überlebender der Shoa. In unzähligen Gesprächen mit seiner jüngsten Tochter Mascha versuchte Otto Schwerdt, das unfassbare Grauen zu verarbeiten, das er im Ghetto, später in den Konzentrationslagern, erleiden musste, bis er im Mai 1945 die Befreiung aus Theresienstadt erleben durfte. Auf Drängen seiner Tochter veröffentlicht er schließlich seine erschütternde Biografie mit dem Titel Als Gott und die Welt schliefen“. Am Mahnmal las Thomas einen Ausschnitt daraus vor.

Otto Schwerdt beschreibt hier auf bedrückende Weise, wie deutsche Wachmänner an der Rampe von Ausschwitz, Menschen mit dem knappen Befehl „rechts“ oder „links“ entweder sofort in den Tod oder vorerst in unmenschliche und tödliche Arbeitslager schickten.

Die Erinnerung ist eine Pflicht gegenüber den Toten“
diesen Satz schrieb Otto Schwerdt als Widmung in sein Buch. Sie ist aber auch eine Pflicht gegenüber den Lebenden, um ein erneutes Erstarken faschistischen Gedankenguts zu verhindern. Gegen das Vergessen. Gegen Hass und Hetze, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, gegen Homophobie und Antifeminismus, gegen jeden Angriff auf die Würde des Menschen.

Denn heute kann keiner von uns sagen, er hätte von nichts gewusst.

Otto Schwerdts Werk „Als Gott und die Welt Schliefen“ mit einer persönlichen Widmung für die „Omas“-Mitglieder Andrea und Thomas sowie das Mahnmal in Passau bei Nacht.